Interkulturelle Schulung

Wie geht Deutschland? - Interkulturelle Trainings für chinesische Studienanfänger an der Hochschule Anhalt

 

Im September 2014 trat der DAAD mit dem Angebot an das Akademische Auslandsamt der Hochschule Anhalt heran, interkulturelle Trainings für chinesische Studierende durchzuführen, die sich in der Studieneingangsphase ihres Studiums an der Hochschule Anhalt befanden. Konzept und Durchführung der Trainings lagen dabei in der Hand des DAAD, die Werbung und Ansprache der Studierenden sowie die Organisation vor Ort beim Projektmitarbeiter HET-LSA am AAA (Marcus Rau).

In Kooperation mit den Fachbereichen fanden Ende Oktober (Köthen) und Anfang Dezember (Bernburg) zwei Trainings mit jeweils ca. 25 chinesischen Studierenden  statt. Das Training in Köthen wurde in chinesischer Sprache durchgeführt; in Bernburg stand die Veranstaltung auch interessierten Mitarbeitern und deutschen Studierenden offen, da man sich auf die Trainingssprache Englisch geeinigt hatte.

Über Hintergründe, Inhalte und Wahrnehmung dieses Angebotes sprach Marcus Rau mit dem DAAD-Projektkoordinator Xiao Zhao, dem Trainer Dr. Xun Luo (Universität Jena) sowie einem Teilnehmer, Jason Cheng (1. Semester Master International Trade, Bernburg).

 

Herr Zhao, könnten Sie bitte kurz erläutern, warum der DAAD mit dem Angebot interkultureller Trainings für chinesische Studierende an die Hochschule Anhalt herangetreten ist?

Aus dem Projekt DACH(Deutschland-Alumni China)bietet der DAAD eine Serienveranstaltung „Interkulturelles Training“ für Wintersemester 2014/2015 an verschiedenen deutschen Hochschulen an. In dem Training bereiten wir die chinesischen Studierenden auf die Zusammenarbeit mit deutschen Mitstudierenden, Kollegen und Lehrenden vor. Unser Ziel ist es, ihre Auslandskontakte so zu optimieren, dass sie ihren Studienalltag und das Leben in Deutschland effizient und ohne größere Missverständnisse meistern. Da sich an der Hochschule Anhalt knapp 1.000 Studierende (WS 2012/2013) aus China eingeschrieben haben, hat der DAAD die Hochschule Anhalt als einen der fünf Veranstaltungsorte ausgewählt.

Herr Zhao, zwei Trainings wurden im Herbst 2014 an Standorten der Hochschule Anhalt durchgeführt. Kann dieses Format in derselben oder einer ähnlichen Form in Kooperation mit dem DAAD fortgeführt werden?

Leider kann der DAAD aus dem Projekt kein weiteres Training im Jahr 2015 mehr anbieten, weil das Projekt DACH Ende März 2015 ausläuft.

Herr Dr. Luo, Sie haben die interkulturellen Trainings an der Hochschule Anhalt durchgeführt. Worin liegen Ihrer Ansicht nach die größten Herausforderungen für chinesische Studierende, die einen erfolgreichen Studienaufenthalt in Deutschland anstreben?

 

Chinesische Studenten in Deutschland sind generell mit vielfältigen Herausforderungen konfrontiert. Die deutsche Sprache stellt das erste, wohl auch das größte Hindernis, dar. Die mangelnden Sprachkenntnisse werden nicht nur Schwierigkeiten beim Studium sowie im Alltag bereiten, sondern führen auch zur Kontaktangst und Kommunikationsproblemen insbesondere mit deutschen Kommilitonen und Dozenten. Daraus resultiert nicht selten Selbstisolation und Depression seitens chinesischer Studenten. Für einen erfolgreichen Studienaufenthalt in Deutschland sollen sie schon vielfach vorbereitet sein. Zumindest soll man sich auf mehr Selbständigkeit, Offenheit und Anpassungsbereitschaft einstellen. Diese Einstellung wird ihnen helfen, im Lauf der Zeit unterschiedliche Herausforderungen bewältigen zu lernen. 

 

Herr Dr. Luo, als Trainer sind Sie für Konzept und Umsetzung der Veranstaltungen verantwortlich. Was versuchen Sie den Studierenden in den Trainings zu vermitteln?

In meinem Training lade ich grundsätzlich die Studenten zur Reflexion über die Fragen ein, wie sie sich auf diese Fremdkultur einstellen, wie sie bisher die Kultur und die Menschen wahrgenommen haben, welche Probleme oder Schwierigkeiten sie erlebt haben. Solange die Studenten anfangen, darüber nachzudenken, versuche ich die kulturellen Werte sowie Handlungsprinzipien, die der deutschen (akademischen) Kultur zugrunde liegen, zu vermitteln. Dies schafft oft einen leichteren Zugang, die kulturellen Unterschiede zu nachvollziehen. Das zweite Ziel - über die kognitive Ebene hinaus - liegt dann in der Entwicklung von Handlungskompetenzen (z.B. communication skills) der Studenten durch Rollenspiele oder Simulationen. Daran haben sie nicht nur Spaß, sondern sie lernen viel mehr aus den realitätsnahen Szenarien. 

 

Herr Dr. Luo, was können bzw. müssen Hochschulen und chinesische Studierende tun, damit der Studienaufenthalt möglichst erfolgreich wird?

Wenn chinesische Studenten Schwierigkeiten haben, mit deutschen Dozenten oder Verwaltungsmitarbeitern zu kommunizieren, haben die letzteren bestimmt genauso Schwierigkeiten, chinesische Studenten zu verstehen sowie zu beraten. Es wäre deshalb ideal, wenn beide Seiten daran arbeiten. Wichtig ist, dass beide Seiten genügend sensibilisiert sind für ihre eigenen sowie die fremden Kulturen. Beispielsweise können deutsche Dozenten, Verwaltungsmitarbeiter sowie chinesische Studenten jeweils an interkulturellen Workshops teilnehmen und die Kommunikationshindernisse überwinden lernen. Solange chinesische Studenten in der Lage sind, ihre Wünsche, Erwartungen, Schwierigkeiten zu äußern und sich beraten lassen wollen, sind sie nicht mehr weit von einem erfolgreichen Studium.

 

Herr Cheng, Sie studieren im 1. Fachsemester im englischsprachigen Masterstudiengang 'International Trade' in Bernburg und haben an dem englischsprachigen Training für chinesische Studierende in Bernburg teilgenommen. Was haben Sie aus der Veranstaltung mitgenommen?

Hier möchte ich zwei Dinge betonen, die ich aus dem Training mitgenommen habe. Erstens: In China steht die Gemeinschaft im Vordergrund, nicht der Einzelne und dessen Entscheidungen und Wünsche. Vor dem Training war es mir wichtig, zu einer Gruppe von Chinesen zu gehören und gemeinsam zu essen, zu lernen oder Sport zu treiben. Mit dem Training ist mir deutlich geworden, dass in Deutschland die Entscheidungen des Einzelnen wichtig sind. Ich werde versuchen, unabhängiger von der Gruppe zu handeln und werde mich weniger darum kümmern, ob ich gemeinsam mit anderen Chinesen aktiv sein kann. Ich möchte mich daran orientieren, wie sich deutsche Studierende verhalten.

Zweitens: In Deutschland kommuniziert man direkt, in China eher indirekt. Dies ist mir deutlich geworden und hat mich dazu bewogen, meine Ansichten klar und deutlich zum Ausdruck zu bringen und in den Lehrveranstaltungen meine Meinung zu äußern. Vor dem Training bin ich mit meinen Fragen nach den Lehrveranstaltungen an den Lehrenden herangetreten. Während der Lehrveranstaltung Fragen zu stellen gilt in China als unhöflich, man stiehlt sozusagen den anderen Studierenden dadurch wertvolle Zeit. Jetzt ist mir klar, dass meine Fragen ja auch meine Kommilitonen beschäftigen könnten, also kein Grund dazu besteht, mich dafür zu schämen. Darüber hinaus vermitteln Fragen natürlich dem Lehrenden einen Eindruck darüber, inwieweit Lehrinhalte verstanden wurden.

 

Herr Cheng, worin bestehen für Sie und Ihre chinesischen Kommilitonen die größten Herausforderungen beim Studium in Deutschland bzw. an der Hochschule Anhalt?

Am schwierigsten ist es sicherlich für mich und meine chinesischen Kommilitonen, mit Deutschen Freundschaften zu schließen. Wenn ich nicht sportlich aktiv bin, habe ich auf dem Campus damit große Schwierigkeiten.

Das Angebot an Deutschkursen, das uns hier als Studierenden im englischsprachigen Master-Studiengang ‚International Trade‘ zur Verfügung steht, ist unzureichend und schlecht organisiert. Ich bringe mir jetzt selbst Deutsch bei, denn über die deutsche Sprache kann ich mir auch die Kultur erschließen und die Deutschen besser verstehen.

Das Training hat mir dabei geholfen, einige Missverständnisse aus der Welt zu räumen und viele Dinge besser nachvollziehen zu können.

[Antworten J. Cheng aus dem Englischen übersetzt).

 

Weitere Informationen:

Marcus Rau

Projektmitarbeiter HET-LSA / AAA

03496 67 5113

m.rau@aaa.hs-anhalt.de