Eindrücke aus dem Alltag der Buddies

 „… also stand ich am Zug und zählte bei allen aussteigenden jungen Männern die Taschen“ -Aus Erfahrungsberichten der ersten studentischen Buddies an der Hochschule Anhalt

 

Im Einblick 13/13 wurde über die Einrichtung des studentischen Betreuungsprogramms ‚Buddy Building‘ für internationale Studierende an der Hochschule Anhalt berichtet. Seit dem Wintersemester 2012/13 sind Buddies nunmehr aktiv. Zum ausgelaufenen Sommersemester waren knapp 30 Studierende an alle drei Standorten der Hochschule damit beschäftigt, internationalen Studierenden und Praktikanten bei der Anreise und dem Einleben an Hochschule und Studienort unter die Arme zu greifen.

Dass die ehrenamtliche Buddy-Tätigkeit, die vom Akademischen Auslandsamt koordiniert wird, auch spontane Lösungen erfordert, zeigt das Zitat in der Überschrift, denn einander beim ersten persönlichen Treffen am Bahnhof zu erkennen, ist gar nicht so einfach, wenn man diese Hürde im Vorfeld nicht bedacht hat.

Anlässlich des 1. Geburtstages des Buddy-Projektes haben wir einige Eindrücke aus dem Alltag der Buddies zusammengestellt, um die wir die Studierenden gebeten haben:

Frage: Warum sind Sie Buddy geworden?

Empathie und eigene Erfahrung standen hier im Vordergrund. Etliche Buddies hatten selbst schon einmal in einer ähnlichen Situation gesteckt: vollkommen neu in einem unbekannten Land, und konnten sich noch allzu gut an das mulmige Gefühl und die Unmenge an Fragen erinnern, die dies mit sich brachte. Hier als Buddy helfen zu können und den Einstieg an der Hochschule und am Studienort durch ein bekanntes Gesicht zu meistern, war vielen Ansporn.

Frage: Lernt man als Buddy auch dazu?

Es heißt ja, dass man für gewöhnlich erst im Ausland erkannt, was die eigene Kultur und Gesellschaft wirklich auszeichnet. Buddy-Arbeit wird aber nicht umsonst unter dem Label ‚Auslandserfahrungen zu Hause machen‘ verkauft. Denn Buddies gewinnen diese Erkenntnisse auch im Umgang mit ihren internationalen Studierenden: Der deutsche Behörden- und Bürokratiedschungel etwa ist für Studierende aus Drittstaaten (also außerhalb der EU) sehr undurchsichtig. Deutsche, wiederum, sind im Vergleich zu anderen Nationen sehr organisiert - was man so oder so interpretieren kann - und doch etwas extrovertierter veranlagt, als man meinen möchte.

Buddies haben aber auch erfahren, welche Fertigkeiten ihnen in ihrer Arbeit zu Gute gekommen sind, ja was geradezu essentiell ist. Zum einen ist hier das Organisationstalent zu nennen, um all die Anmeldungen, Papiere sowie großen und kleinen Wege unter einen Hut zu bringen. Zum anderen zahlt es sich aus, wenn man sich in sein Gegenüber hinein versetzen, wenn man zuhören kann und dann gemeinsam an Lösungen für alle möglichen Fragen arbeitet. Das schweißt zusammen und macht anscheinend auch noch Spaß.

Frage: Hatten Sie besonders positive oder auch negative Erlebnisse als Buddy?

Hier steht klar die gegenseitige Sympathie im Vordergrund. Wenn man merkt, dass es zwischenmenschlich stimmt, macht es gleich viel mehr Spaß.  Natürlich kann man davon nicht immer ausgehen, aber umso schöner ist es, wenn aus Buddies auch Freunde werden. Der gegenseitige Austausch darüber, was das Leben im jeweiligen Heimatland ausmacht, der Einblick in eine fremde Kultur sind ebenfalls als ausgesprochen positiv wahrgenommen worden.

Es gab aber auch Hürden wie sehr mangelhafte Kenntnisse der deutschen Sprache, die von Buddies dann sehr viel Unterstützung in der Kommunikation erforderten oder - auch eher positiv - die bereits erwähnte Schrecksekunde am Bahnhof, wenn man merkt, dass man gar nicht weiß, wie derjenige aussieht, der da gleich dem Zug entsteigt und man nach jemandem mit vielen Koffern und Taschen Ausschau hält.

Frage: Haben Sie Ihre Fremdsprachenkenntnisse aufpolieren können?

Buddy-Tätigkeit ist ja auch eine hervorragende Gelegenheit, die Sprachkenntnisse aus Schule und Studium aufzuwärmen oder auch ganz neue Sprachen zu lernen. So erkennt man, wie eingerostet das eigene Englisch ist und staunt, wie gut Incomer oft schon Deutsch sprechen. Die Unterstützung in der Kommunikation ist gerade bei Behördenwegen in Deutschland essentiell und im Zwischenmenschlichen geht’s auch ohne Worte, wenn’s darauf ankommt. Positiv ist es auf jeden Fall, dass man sich in realen Situationen befindet, nicht etwa im Unterricht, und gezwungen ist, in der Fremdsprache zu kommunizieren. Zumindest in der Rückschau ist das eine angenehme Erfahrung, auch wenn es vor Ort etwas Unbehagen auslöst, dass mit Kreativität aber oft überwunden werden kann.

Frage: Wie zeitaufwändig ist die Buddy-Tätigkeit?

Die Antworten auf diese Frage haben die Erfahrung bestätigt: Das hängt ganz davon ab, wie viel Zeit man selber für die freiwillige Arbeit als Buddy veranschlagen kann, wie viel Vorbereitung beim Incomer für den Aufenthalt in Deutschland möglich war und auch wie (un)selbständig der Incomer ist. Bei manch einem reicht es, grobe Hinweise zu geben und der Rest fügt sich von alleine, andere wiederum benötigen Chauffeur-, Telefon- und Behördenunterstützung, die einen schon gelegentlich daran zweifeln lässt, ob man nebenher auch noch studieren darf.

Es lässt sich aber sagen, dass normalerweise einer recht intensiven kurzen Betreuungsphase am Anfang des Aufenthaltes ruhigere Zeiten folgen und viel Zeit für Angenehmes bleibt.

Letzte Frage: Würden Sie noch einmal Buddy werden?

Die Antworten zeigen die Bandbreite der Erfahrungen: „Ja, auf jeden Fall.“ - „NEIN, nur gegen finanzielle Entschädigung.“ - „Ja“ - „Unter den gegebenen Voraussetzungen würde ich noch einmal Buddy werden.“ - „Eventuell schon“ - „Ja!“

Zu guter Letzt: Vielen Personen gebührt hier Dank. In erster Linie natürlich den Buddies, die nach einem interkulturellen Training und Aufgabenbriefing engagiert und zuverlässig tätig wurden und in Anerkennung für Ihre Tätigkeit ein Zertifikat erhalten. Aber auch zahlreiche Mitarbeiter an den Standorten standen als Ansprechpartner unterstützend und motivierend zur Verfügung. Stellvertretend möchten wir uns bei Frau Iris Baier, Herrn Prof. Claus Dießenbacher, Frau Prof. Elena Kashtanova und Frau Sabine Thalmann bedanken.

Wir freuen uns auf weitere Buddy-Geburtstage und viele engagierte Studierende der Hochschule Anhalt, die als Buddy der Welt bei uns das Gefühl eines Zuhauses vermitteln. Danke!

 

 

Name: Georg Küstner

Studiengang: Bachelor Naturschutz und Landschaftsplanung

Buddy für: Yauheni Kupriyanchik aus Weißrussland

Buddy im: Sommersemester 2013

 

Ihr Name: Katharina Hantsch

Studiengang: Landwirtschaft

Buddy für: Vitalii Korsun, Sergii Tscherbakov und Miroslava Stepanova aus der Ukraine sowie Tatjana Stepanova aus Russland

Buddy im: Sommersemester 2013

 

Name: René Seume

Studiengang: Biotechnologie

Buddy für: Mariela Mazneva, Teodora Popova aus Bulgarien

Buddy im: Sommersemester 2013

 

Name: Anne Paulick     

Studiengang: Ökotrophologie

Buddy für: Daria Osadtschenko aus Russland

Buddy im: Sommersemester 2013

 

Name: Manuel Ehmann

Studiengang: BWL

Buddy für: Kaisa Mantynen und Noora Muhonen aus Finnland

Buddy im: Sommersemester 2013

 

Name: Christin Schmidt
Studiengang: Ökotrophologie (Master)
Buddy für: Tomas Travniczek aus Tschechien
Buddy im: Sommersemester 2013

 

Weitere Informationen zum Buddy-Programm und zur Anmeldung:

Marcus Rau

Akademisches Auslandsamt

Telefon: 03496 67 5113

E-Mail: m.rau@aaa.hs-anhalt.de

http://www.hs-anhalt.de/international/aaa/study-buddy.html